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Donnerstag, 20. März 2014

Der Wunsch, anders zu sein.

Und ich sitze hier. Klinik. Wie immer. Fast schon mein zweites zu Hause. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass das alles immer nur meine Schuld ist. Aber wer soll sonst bitte daran Schuld sein. Ich mach mir ja immer selber alles kaputt, was ich habe. Und warum? Weil ich einfach ein Arschloch bin. Einer nach dem anderen wird aufgerufen. Ich sitze schon seit fast zwei Stunden hier. Menschen kommen und gehen. Ich beobachte sie. Ihre Mimik und Gestik. Mir sitzt ein Paar gegenüber. Sie turteln schon genauso lange rum wie ich hier bin. Das Mädchen hat rote, lange, wellige Haare. So sahen meine Haare auch mal aus, bevor ich krank wurde. Ich merke, wie mir meine weichen, gesunden Haare fehlen. Meine jetzigen sind leblos. Sie hängen schlaff runter. Die Spitzen kaputt, rau und strohig. Die Farbe ist eine Mischung aus rostrot-kackbraun. Sie haben den Glanz verloren und meine blonden Ansätze machen die Sache auch nicht besser. Ich will gar nicht wissen, was dieses Pärchen von mir denkt. Vor allem sie mit den perfekten Haaren. Ich spüre, wie der Neid in mir aufsteigt. So möchte ich auch wieder aussehen. Früher haben mich alle um meine Haare beneidet, jeder wollte sie anfassen, jeder wollte solche Haare wie ich haben. Und jetzt..jetzt ekelt sich jeder vor diesen rauen, glanzlosen Strähnen. Ich ekel mich ja schon fast selbst davor. Leblose Haare ohne Volumen. Ich hasse sie. Das Pärchen wird aufgerufen. Sie laufen Arm in Arm der Schwester hinterher. Bereits eine halbe Stunde später begegne ich den Beiden wieder. Sie sitzen mir schräg gegenüber. Sie schlafen. Ich beobachte sie und inspiziere das Mädchen genauer. Eigentlich ist sie richtig hübsch. Sie hat ein Septum und ein buntes Tattoo auf der Schulter. Ich erwische mich bei dem Gedanken, genauso aussehen zu wollen wie sie.